Agricola

Agricola, Georgius [eigentlich Georg Bauer (Pawer)], (eigentlich Georg Bauer (Pawer)), * 1494 in Glaucha, † 1555 in Chemnitz. Studium der alten Sprachen, später Medizin und Naturwissenschaften in Leipzig, Bologna, Padua, Venedig. 1527 Stadtarzt und Apotheker in St. Joachimsthal (heute Jáchymov, Tschechische Republik).

Ab 1533 Stadtarzt in Chemnitz, mehrfach Bürgermeister dieser Stadt. Intensive Beschäftigung mit dem Berg- und Hüttenwesen. Darüber schrieb er mehrere Bücher in lateinischer Sprache, die viele Jahrzehnte lang als Standardwerke galten.

Darin ist Agricola William Gilbert vergleichbar. Er beschränkte sich aber auf die wissenschaftliche Beschreibung dessen, was er von Bergkundigen erfuhr und machte keine eigenen Messungen oder Experimente. Gilbert zitierte ihn in De Magnete an mehreren Stellen. Agricola gilt auch als Begründer der Mineralogie, obwohl ihn eine tiefe Abneigung gegen die Alchemie an intensiver Beschäftigung mit chemischen Fragen hinderte.
 

Schriften

Bermanus, sive de re metallica, Basel, 1530. Text in Gesprächsform. Das Buch enthält eine Vokabelliste, der von Agricola eingeführten lateinische Bezeichnungen. Erasmus von Rotterdam, mit dem Agricola korrespondierte, schrieb ein Vorwort.

De mensuris et ponderibus, Basel, 1533. Angaben über alte und neue Maße, Gewichte und Münzeinheiten.

De natura fossiliorum, Basel, 1556. Eigenschaften der Mineralien: Farbe, Glanz, Geruch, Härte und dgl. (auch Magnetismus). Im Zusammenhang mit mineralogisch-geologischen Fragen berührt Agricola auch die Erscheinungen der Vulkane und Erdbeben.

De re metallica, Basel, 1546. Dieses Hauptwerk über das Berg- und Hüttenwesen in 12 Büchern (mit 273 Holzschnitten, davon einige von Hans Rudolf Manuel Deutsch, 1525-1571, ein Sohn des Malers Niklaus Manuel Deutsch). Geophysikalisch interessant ist die Beschreibung verschiedener Bergkompasse (Buch 3 und 5), die allerdings nur als Hilfsmittel der Bergscheidekunst und nicht als Explorationsinstrumente benutzt wurden. Die Wünschelrute lehnte Agricola ab: „Der wahre Bergmann benutzt... den Zauberstab nicht..., er sieht ein, daß ihm die Wünschelrute nichts nutzen kann, sondern er beachtet, wie ich oben ausgeführt habe, die natürlichen Kennzeichen der Gänge" (2. Buch Ende). Eine englischsprachige Übersetzung wurde vom ehemaligen amerikanischen Präsidenten Herber Clark Hoover und seiner Frau Lou Henry Hoover 1912 veröffentlicht.

Werke Georg Agricolas, hrsg. in dtsch. Übers. von H. Prescher, 10 Bände + Ergänzungsband, Berlin, 1956-1971.

Georg Agricola, Vom Berg- und Hüttenwesen, (dtsch. Übers. von De re metallica), dtv-Taschenbuch, 1977.

Das Buch von den Lebewesen unter Tage, (dtsch.Übers. von De animantibus subterraneis liber), dtv-Taschenbuch, 1977.

Georg Agricola, Vom Bergwerck, 12 Bücher, Faksimile-Druck der Ausgabe von 1557 und Kommentarband von H. Prescher , Weinheim, 1985.
 

Literatur

Darmstädter, Ernst: Georg Agricola, Leben und Werk. München, 1926.

Hartmann, Hans: Georg Agricola (1494 - 1555) - Begründer dreier Wissenschaften: Mineralogie - Geologie - Bergbaukunde. Stuttgart, 1953.

Engewald, Gisela-Ruth: Georgius Agricola. Leipzig, 1982.