AiryAiry, George Biddell,* 1801 in Anwick (Northumberland), 1892 in Greenwich. Die meisten heutigen Geowissenschaftler kennen Airy nur wegen seines Isostasiemodells, obwohl er über dieses Thema lediglich eine vier Seiten lange Arbeit schrieb, die er in seiner Autobiographie nicht einmal erwähnte. Zu seiner Zeit war Airy ein bekannter und einflußreicher Wissenschaftler: 46 Jahre (1835-1881) lang war er der Astronomer Royal und von 1872 bis 1873 Präsident der Royal Society. Er schrieb 518 wissenschaftliche Artikel und 11 Bücher über Themen aus Astronomie, Physik, klassischer Geschichte, Technik und Geophysik. Ungeheuer zielstrebig hatte er sich aus einfachen Verhältnissen über Studium und eine Professur in Cambridge zum Astronomer Royal emporgearbeitet.

Airys Persönlichkeit wird in der Literatur meist kritisch betrachtet. Es sind ihm auch eine Reihe von Fehl- oder zumindest umstrittenen Entscheidungen unterlaufen, so 1846 bei der Entdeckung des Planeten Neptun, wo er die fortgeschrittene Arbeit von J. C. Adams nicht gebührend würdigte. Dadurch bekam der Franzose Leverrier den Ruhm für die Vorhersage. Dem Deutschen Gottfried Galle gelang schließlich die Entdeckung. Auch Charles Babbage, dem Erfinder der Großrechenanlage, ließ er keine Gerechtigkeit widerfahren. Growther (1968) versuchte nachzuweisen, daß Airy mehr Ingenieur als Wissenschaftler gewesen sei.

Airys wichtigste astronomische Arbeiten beziehen sich auf das Dreikörperproblem Sonne - Venus - Erde und die Bewegung des Mondes. Große Verdienste erwarb er sich in der Optik, vor allem der Erklärung des Astigmatismus des menschlichen Auges - er selber litt darunter. Auch suchte er experimentell die Wellennatur des Lichtes zu beweisen. 1837 wurde er Chairman der Kommission für die Wiederherstellung der Normalmaße, die 1834 beim Brand des Parlamentsgebäudes zerstört worden waren. Er konstruierte Instrumente, löste Ingenieuraufgaben und war häufig als Gutachter bei solchen tätig. Vor allem war er ein erfolgreicher Organisator im Wissenschaftsbereich. Dazu gehörten seine zahlreichen Reisen. Seine Papiere hielt er pedantisch in Ordnung.

Nun zu Airys wichtigsten geophysikalischen Arbeiten: Da sind die Pendelmessungen in Bergwerken aus den Jahren 1828 und 1854 zu nennen, ein schon von Francis Bacon vorgeschlagener Versuch, die Änderung der Schwere mit der Tiefe zu bestimmen. Daraus kann man die mittlere Dichte der Erde ableiten. 1844 organisierte Airy die Vermessung eines Breitenkreises zwischen Greenwich und der Insel Valencia, Irland, unter Berücksichtigung der Lotabweichungen. Bereits 1830, noch vor Bessel, hatte er eine Zusammenstellung der damals vorliegenden Meßergebnisse zum Erdellipsoid vorgenommen und den Wert der Abplattung zu f = 1:299,32 gefunden. 1855 erschien dann die schon genannte Arbeit zur Isostasie (Bialas, 1982).

Zum Verständnis und zur Berechnung der Gezeiten führte Airy 1842 die "Kanaltheorie" ein (Harris, 1898). Er sorgte dafür, daß im Greenwich Observatorium auch kontinuierlich erdmagnetische (1838), meteorologische (1838) und Sonnenbeobachtungen (1873) angestellt wurden. Schon 1848 wurden die erdmagnetischen Beobachtungen auf photographische Registrierung umgestellt. Ab 1854 erhielten sie eine elektrische Zeitmarke. Erwähnt werden soll noch, daß Airy 1840 das Problem des Kompasses auf Eisenschiffen bearbeitete.


Schriften

On the computation of the effect of the attraction of mountainmasses, as disturbing the apparant astronomical latitude of stations in geodetic surveys, Phil.Trans.Royal Soc., London, 145, 101-104, 1855.

Mathematical tracts on physical astronomy, the figure of the earth, precession and nutation, and the calculus of variation, Cambridge, 1826.

A treatise on magnetism, London, 1870.

Intensity of light in the neighbourhood of a caustic, Phil. Soc. Royal Soc. London, 6, 1838. Airy, G. B., Autobiography, edited by Wilfrid Airy, Cambridge, 1896.


Literatur

Bialas, Volker: Erdgestalt, Kosmologie und Weltanschauung. Die Geschichte der Geodäsie als Teil der Kulturgeschichte der Menschheit. Stuttgart, 1982.

Crowther, J.G.: Große englische Forscher. Aus dem Leben und Schaffen englischer Wissenschaftler des 19. Jahrhunderts, S. 359-392. Berlin, 1948.

Birett, H., K. Helbig, W. Kertz, U. Schmucker: Zur Geschichte der Geophysik, Festschrift zur 50jährigen Wiederkehr der Gründung der Deutschen Geophysikalischen Gesellschaft. Berlin-Heidelberg-New York, 1974.

Harris, Rollin: A manual of the tides, Part I: Introduction and historical treatment of the subject, in: Report of the Superintendent of the US Coast and Geodetic Survey. Washington, 1898.