AmbronnAmbronn, Richard, * 1887 in Hamburg, † 1954 in Göttingen. 1889 ging er nach Göttingen und wurde Observator der Sternwarte. Er begründete die Göttinger Mechanikerschule. Sein Sohn Richard half ihm bereits als Schüler und Student (zusammen mit der Mutter) bei der Herausgabe des Verzeichnisses aller Sterne bis zur 6,5ten Größe für die Jahre 1900 und 1907.

Richard studierte in Leipzig, München und Göttingen. In Göttingen promovierte er 1912 bei Woldemar Voigt mit einer Arbeit über die elektrische Leitfähigkeit von Glas und Bergkristall. Von 1912 bis 1914 war er Assistent für Physik an der Technischen Hochschule zu Braunschweig bei Hermann Georg Dießelhorst, danach trat er in den Dienst der von Gotthelf Leimbach (1883-1957) geleiteten physikalischen Werkstatt (PHYWE) Göttingen. Im Auftrag dieser Firma erforschte er Wassereinbrüche in Kalibergwerken und deren Bekämpfung. Im ersten Weltkrieg wurde er schwer verwundet, geriet in russische Gefangenschaft und wurde als Austausch-Kriegsgefangener in Norwegen interniert. Dort begann er sich mit der Wünschelrute zu beschäftigen und den Einfluß geologischer Besonderheiten in Selbstversuchen zu studieren. Nach Göttingen zurückgekehrt setzte er diese Versuche noch eine Zeitlang fort und kam zu dem Schluß, daß es eine "wirkliche physiologische Beeinflussung des menschlichen Nervensystems" beim Überschreiten geologischer Störung gebe. Er fand auch eine Korrelation zu Radioaktivitätsmessungen auf den gleichen Profilen. Er blieb der Wünschelrute gegenüber aber skeptisch, warnte vor damit einhergehender Scharlatanerie und kam später nicht mehr darauf zurück.

Aus einer von Leimbach und Löwy 1910 gegründeten GmbH zur Erforschung des Erdinneren wurde 1921 die ERDA AG, deren Leitung Ambronn übernahm. Sie besaß eine Reihe von Patenten für geoelektrische und Radiowellenverfahren. Ambronn dehnte sein Arbeitsgebiet immer weiter aus, bis es schließlich die gesamte Angewandte Geophysik umfaßte. Um die geophysikalischen Verfahren bekannt zu machen, schrieb er in den zwanziger Jahren Artikel in: "Der Bauingenieur", "Kali", "Petroleum", "Glückauf" und der "Umschau". Darin stellte er die neue Disziplin "Angewandte Geophysik" vor, erfand eine Einteilung der Verfahren in solche, die auf spontaner Fernwirkung beruhen und solche, die des Fließens von Energieströmen durch die zu untersuchenden Erdschichten bedürfen. 1926 schrieb er das erste Lehrbuch "Methoden der Angewandten Geophysik". Das Buch ist gelegentlich gescholten worden: "Vollständig, aber ohne kritische Betrachtung". Es enthält 1671 Literaturzitate, 84 Abbildungen und 23 Tabellen mit Daten, die für die Angewandte Geophysik relevant sind, insbesondere Gesteinsparameter, die aus verstreuten, zum Teil schwer zugänglichen Quellen zusammen gesucht waren. Vermutlich war Ambronn derjenige, der den besten Überblick über das Gesamtgebiet besaß. Natürlich referierte er auch eigene Arbeiten, die sich über viele Teilbereiche erstreckten. Trotz der Kritik wurde das Buch viel benutzt und 1928 von Margret C. Cobb ins Englische übersetzt.

Mit Mainka zusammen erhob die ERDA AG 1921 Einspruch gegen das Mintropsche Hauptpatent von 1917 mit der Begründung, das in der Patentschrift beschriebene Verfahren lasse sich bereits aus früheren Veröffentlichungen entnehmen. Das Gericht folgte 1927 dieser Klage und erklärte Mintrops Patent für nichtig. In der Berufung wurde diese Entscheidung 1930 aber wieder aufgehoben. Die ERDA existierte da aber nicht mehr, sie war 1925 von Mintrops SEISMOS übernommen worden. Ambronn machte sich als "beratender Geophysiker" selbständig. Eine von ihm entwickelte seismische Aufnahmeapparatur mit sechs elektrischen Seismographen und Zentralregistrierung auf einem 22 cm breiten Filmstreifen wurde auf deutschen und englischen Werbeschriften der "Prospektion GmbH Göttingen" abgebildet (siehe Moos, 1930). Ambronn bevorzugte Beschleunigungsmesser, zunächst (ab 1927) mit Kohlekontakten und ab 1931 mit Piezo-Quarz-Systemen.

Eine Pionierleistung Ambronns bestand in der Erstellung eines Radioaktivitäts-Logs aus Messungen an Proben aus einem Ölschacht bei Celle im Jahre 1921. Im gleichen Jahre hatte er auch schon über geoelektrische Messungen im Bohrloch nachgedacht. Verwirklicht wurden solche Messungen aber erst von Conrad Schlumberger 1927. 1928 veröffentlichte Ambronn in Gerlands Beiträgen zur Geophysik eine ausführliche Abhandlung über "Elektrische Bodenforschung mit Wechselströmen". Im Laufe seines Lebens besuchte er viele Länder. Insbesondere in den rumänischen Erdölfeldern wandte er seine geophysikalischen Methoden an (siehe auch Brinckmeier, 1955).

Immer wieder forderte Ambronn bei der Anwendung geophysikalischer Aufschlußarbeiten eine Kombination der verschiedenen Verfahren. So schrieb er 1926:

„Nur durch eine systematische, auf strengster wissenschaftlicher Kritik beruhenden Zusammenfassung aller Methoden der angewandten Geophysik bei der Bearbeitung praktischer Fragen kann die dauernde Anerkennung dieser Hilfswissenschaft der praktischen Geologie errungen und gesichert werden" (Z. Geophysik, 2, 251, 1926).


Schriften

Die Anwendung physikalischer Aufschlußmethoden im Berg-, Tief- und Wasserbau, Jahrb. Hallescher Verband f. d. Erforsch. d. mittel-deutsch. Bodenschätze, 3, 21-49, 1921.

Methoden der angewandten Geophysik, Dresden und Leipzig, 1926.

Elements of Geophysics, McGraw Hill, 1928.


Literatur

Brinckmeier, G.: Nachruf. Erdöl und Kohle, 8, 443, 1955.