AragoArago, Dominique François,* 1786 in Estagel bei Perpignan, † 1853 in Paris. 1805 wurde er Sekretär des Bureau des Longitudes. 1806 bekam er den Auftrag nach Spanien zu reisen, um mit Biot zusammen die Vermessung des Meridianbogens von Méchain und Delambre nach Süden fortzusetzen. Dabei geriet er in den spanischen Aufstand gegen Napoleon und gelangte unter großen Schwierigkeiten erst 1809 nach Frankreich zurück (Bericht darüber in "Geschichte meiner Jugend", Werke Bd. 1. Dieser Bericht liest sich wie ein Abenteurerroman).

Gleich nach seiner Rückkehr 1809 wurde er zum Mitglied des Institut National gewählt. Er gehörte auch der Société d'Arcueil an, einer privaten Vereinigung von Forschern, die von Berthollet und Laplace geleitet wurde. 1811 endeckte Arago die Drehung der Polarisationsebene des Lichtes durch eine Bergkristallplatte. Das wurde ein wichtiges Indiz für die Deutung des Lichtes als Transversalwelle. 1825 fand Arago den "Rotationsmagnetismus".

Ab 1830 war Arago ständiger Sekretär der Académie des Sciences. In dieser Zeit schrieb er sehr instruktive Biographien und Gedächtnisreden für mehr als 50 führende Wissenschaftler (Werke, Bd. 1-3). Bekannt wurden auch seine populären Darstellungen wissenschaftlicher Themen. 1830 begann auch Aragos politische Laufbahn. Als überzeugter Republikaner wurde er Abgeordneter in der Kammer, 1848 Innen- und Kriegsminister. Er trat für die Abschaffung der Sklaverei in den französischen Kolonien ein. Gegen Ende seines Lebens ließ die Sehkraft seiner Augen sehr nach, so daß er keine optischen Versuche mehr machen konnte und seine Arbeiten diktieren mußte. Zeitlebens war er der beste Freund Alexander von Humboldts.

Aragos wissenschaftliches Werk war vielseitig. Seine Hauptverdienste lagen auf dem Gebiet der Optik. Auch als Astronom machte er sich einen Namen. Uns interessieren seine geophysikalischen Arbeiten: Dazu gehörte die schon genannte Meridianvermessung, deren wissenschaftliche Ergebnisse er 1821 zusammen mit Biot herausgab. Von 1820 bis 1835 machte er Beobachtungen der magnetischen Deklination in Paris sowie Relativmessungen der Horizontalintensität. Er stellte fest, daß an Tagen, die in Paris magnetisch gestört waren, an entfernten Orten Nordlichter beobachtet worden waren. Er beteiligte sich an der Bestimmung der Temperatur in Bohrlöchern.

In der Meteorologie sind seine Untersuchungen zur Optik der Atmosphäre und eine genauere Bestimmung des spezifischen Gewichtes der Luft zu nennen. Er verfaßte eine Reihe von Arbeiten zur Ozeanographie und schloß die Tiefseethermometer erstmals in ein Metallgehäuse ein, um den Druckeffekt zu verhindern.


Schriften

Les oevres de Dominique François Arago, hrsg. von J. A. Barral, 17 Bde., Paris, 1854-62. Franz Arago's sämtliche Werke, hrsg. von W. G. Hankel, 16 Bde., Leipzig, 1854-60.


Literatur

Humboldt, Alexander von: Einleitung in Arago's Werke, 1854.

Georgi, J.: François Arago. Phys. Blätter, 10, 408-412, 1954.