BoscovichBoscovich, Rodger Joseph, * 1711 in Dubrovnik, 1787 in Mailand. Jesuit, seit 1740 Professor der Mathematik am Collegio Romano in Rom. Außer in Rom war er im Laufe seines Lebens in Pavia, Paris und zuletzt in Mailand tätig, wo er die Brera-Sternwarte errichtete. Dazwischen lagen ausgedehnte Reisen. Er kannte viele Wissenschaftler seiner Zeit persönlich, so Bradley, Clairaut, Franklin, Mairan, Michell und Laplace. Er schrieb über Mathematik, Astronomie und Physik, da vor allem über Optik.

Äußerlich muten seine Werke altmodisch an. Sie sind in klassischem Latein geschrieben. Zweimal gab er lateinische Gedichte von anderen heraus und kommentierte sie wissenschaftlich. Das erste (1747) war ein Gedicht seines Lehrers Caroli Neceti über die Aurora Borealis. Boscovichs Vorstellungen von Nordlicht waren ähnlich denen von Mairan. Die Höhe eines Nordlichtes im Dezember 1737 bestimmte er zu 825 Meilen. Das zweite Gedicht (1755) stammte von Pater Benediktus Stay und handelte von der neueren Philosophie. In Boscovichs Werken finden sich aber auch sehr modern anmutende Gedanken: Er war einer der ersten Anhänger Newtons in Italien. Er führte den Begriff des Massenpunktes in die Physik ein (inzwischen ist der Begriff so geläufig, daß man glaubt, er müsse schon immer existiert haben). Boscovich bestimmte die Rotationselemente der Sonne aus den Beobachtungen eines Sonnenflecks. Er schuf eine eigene Ausgleichsrechnung, bei der die Summe der Absolutbeträge der Fehler zum Minimum gemacht wurde.

1750-1752 maß Boscovich mit dem Astronomen Christopher Maire (1697-1767) zusammen im Vatikanstaat die Länge eines Meridiangrades. Dies geschah auf Wunsch des Papstes. Die Kuppel der Peterskirche war ein Zielpunkt. Mit schwerem Instrumentengepäck kletterten die beiden geistlichen Herren in den Bergen herum. Die Veröffentlichung der Ergebnisse aus dem Jahre 1755 enthält einen interessanten theoretischen Teil. Boscovich benutzte darin ein zweiteiliges Erdmodell: Dichter Kern und weniger dichter Mantel. Die Schwerewirkung berechnete er - im Gegensatz zu Clairaut - mit einer umständlichen geometrischen Methode. 1741 hatte Boscovich auch schon den Einfluß lokaler Massen auf die Schwere untersucht. Zur Bestimmung der mittleren Dichte der Erde wollte er die Einwirkung der durch die Gezeiten verschobenen Wassermassen auf ein Pendel benutzen.

Boscovich propagierte die internationale Kooperation in der Geodäsie und veranlaßte Meridiangradmessungen in Österreich, Piemont und Pennsylvanien.


Literatur

Bialas, Volker: Erdgestalt, Kosmologie und Weltanschauung, S. 153-160. Stuttgart, 1982.

Oster, Melchior: Roger Joseph Boscovich als Naturphilosoph, Dissertation, Universität Bonn. Köln,1909.

Todhunter Isaak: A history of the mathematical theory of the attraction and the figure of the Earth from the time of Newton to that of Laplace, Art. 453-514, 1873.

Whyte, Lancelott Law (Hrsg.): Roger Joseph Boscovich (1711-1787). Studies of his life and work on the 250th anniversary of his birth. London, 1961.