Bullard

Bullard, Edward Crisp, Sir, * 1907 in Norwich, England, † 1980 in La Jolla, USA. Berühmtester Geophysiker seiner Generation. 1929 wurde er research student am Cavendish-Laboratorium in Cambridge. Sein Supervisor war Patrick Blackett. Später arbeitete er aber mit Harrie Massey zusammen an der Elektronen-Streuung (bis 1931). Dann wurde er Demonstrator im Dept. of Geodesy and Geophysics in Cambridge und arbeitete mit Lenox-Conyngham und Harold Jeffreys mit einem Pendelapparat über den East-African Rift. 1936 bekam er die Smithson Fellowship of the Royal Society und entwickelte ein kurzperiodisches Seismometer, mit dem er das Basement in Südost-England untersuchte. Im Winter 1938/39 startete er eine Messung des natürlichen Wärmestroms in Südafrika. 1941 wurde er Mitglied der Royal Society.

Im November 1939 ging er als experimental officer zu einem Laboratorium der Admiralität und entwickelte Abwehrmaßnahmen gegen Magnetminen. Das beschäftigte ihn während der Dauer des 2. Weltkriegs. 1947 wurde er head of the physics department in Toronto. Hier betrieb er radioaktive Altersbestimmung von Gesteinen und lernte den Gebrauch einer Großrechenanlage kennen. Er organisierte einen Besuch beim Scripps Institute of Oceanography in La Jolla, um ein Instrument zur Messung des Wärmestroms durch den Meeresboden zu bauen.

1949 kehrte Bullard nach Großbritannien zurück und wurde Direktor des National Physical Laboratory (NPL), welches 1900 als physikalisches Labor für die britische Industrie gegründet worden war. 1955 hatte es über 1000 Mitarbeiter. Bullard war ein beliebter und sehr effektiver Direktor. Die Zeit am NPL wurde Bullards produktivste Zeit, in der seine großen Arbeiten entstanden. 1955 wurde er Leiter des Dept. of Geodesy and Geophysics und machte es zu einem der besten Plätze der Welt, um Geophysik zu studieren. Es wurden seismische Refraktionsmessungen auf See veranstaltet, ein Protonen-Precisions-Magnetometer für Messungen auf Schiffen konstruiert und an der Theorie des Erddynamos gearbeitet.

In dieser Zeit entstand die neue Tektonik mit dem Seafloorspreading. Harry Hess und Tuzo Wilson kamen als Gäste, und Cambridge spielte eine Hauptrolle bei der Entwicklung der neuen Theorie. Bullard steuerte die Anwendung des Euler-Theorems bei.

18 Jahre lang leitete Bullard das Institut in Cambridge. Bei seiner Emeritierung wurde es ihm zu Ehren umbenannt in "Bullard Laboratories". 1974 zog er um nach La Jolla zu Scripps und war trotz körperlicher Gebrechen bis zu seinem Tod noch wissenschaftlich aktiv. Walter Kertz hat Bullard als junger Wissenschaftler kennengelernt und die große Freundlichkeit erfahren, die dem wissenschaftlichen Nachwuchs häufig von den britischen und amerikanischen "Großen" unseres Faches zuteil wird.

Die großen geophysikalischen Werke Bullards waren: 1) Die Wärmeflußmessungen über Land und See; 2) Das Magnetische Feld der Erde und seine Entstehung; 3) Optimale Modellanpassung der Meeresküsten bei der Drift der Kontinente. Noch wichtiger sind aber vielleicht seine Diskussionsbemerkungen, die er der Entwicklung unseres Faches beisteuerte, seine Arbeiten im Dienst seiner Nation und der Menschheit und die vielen Anregungen und Hilfestellungen, die er seinen Studenten und Kollegen zukommen ließ.

Literatur

Bullard, E. C.: Historical Introduction to Terrestrial Heat Flow, in: H. K. Lee (Hrsg.) Terrestrial Heat Flow, Geophys. Monograph. Series No.8. Amer. Geophys. Union, 1965.

Maxwell, A. E.: A special issue honoring Sir Edward Bullard, History of Geophysics, 2, 161-162, 1986.

Shor, E. N.: E.C. Bullards first heat-probe. History of Geophysics, 2, 163-165, 1986.

Shor, E. N.: Edward C. Bullard 1907 - 1980. History of Geophysics, 2, 167-168, 1986.

McKenzie, D. P., in: Gillispie, Charles Coulston (Hrsg.), Dictionary of Scientific Biography, 14 Bde. New York, 1970-1980.