Canton

Canton, John, * 1718 in Stroud (Glouchestershire), 1772 in London. Gegen den Willen seines Vaters, eines Tuchmachers, beschäftigte er sich mit Mathematik und Naturwissenschaften. 1737 ging er nach London und wurde dort Lehrer und 1745 Direktor einer Privatlehranstalt in Spital Square. Er wurde Mitglied der Royal Society, wurde sogar in den Council berufen und erhielt zweimal die Copley-Medaille.

Seinen Namen kannte man lange Zeit, weil er der Erfinder von "Cantons Phosphor" war, eines Leuchtsteins aus CaS, der im Dunkeln nachleuchtet, nachdem er zuvor vom Sonnenlicht bestrahlt wurde. Canton selbst hielt für seine größte Entdeckung die Herstellung künstlicher Magnete (1748). In der Geschichte der Physik wird er genannt als Entdecker der elektrischen Influenz (1754). Darin teilt er sich allerdings mit Wilcke (1757). In der Geophysik war sein Hauptverdienst, in langwierigen Beobachtungsreihen gezeigt zu haben, daß die täglichen magnetischen Variationen im Sommer größer sind als im Winter. Er war ein vielseitiger Forscher; denn außerdem demonstrierte er die Kompressibilität des Wassers, beobachtete den Venusdurchgang am 6. Juni 1761, schrieb über die Natur und Entstehung von Sternschnuppen. 1752 bei der Einführung des Gregorianischen Kalenders in England verfertigte er eine Sammlung leicht zu behaltender Regeln zur Berechnung des Schaltjahres, des Sonntagsbuchstabens, der Epakten usw. Er erkannte, daß Meeresleuchten durch Lebewesen im Wasser hervorgerufen wird. Er stellte Untersuchungen an, bis zu welcher Höhe Feuerwerksraketen steigen und sichtbar bleiben.

Gleichzeitig mit Benjamin Franklin zeigte er, daß einige Gewitterwolken positiv, andere negativ geladen sind. Als Franklin 1757 nach England kam, war Canton einer seiner ersten wissenschaftlichen Gesprächspartner. Zwischen beiden entwickelte sich eine lebenslange Freundschaft. Zusammen saßen sie 1769 in einem Komitee der Royal Society, welches über einen optimalen Blitzschutz der St.Pauls Cathedral in London beriet. Auch mit Joseph Priestley (1733-1804) stand Canton in wissenschaftlichem Kontakt und beriet ihn bei der Abfassung seiner Geschichte der Elektrizität, die 1767 erschien.


Schriften

An attempt to account for the regular diurnal variation of the horizontal magnetic needle and also for its irregular variation at the time of an aurora borealis, Phil. Trans., 398ff, London, 1759.


Literatur

Hutton, Charles: Mathematical and Philosophical Dictionary, Vol. 1, S. 241-243. London, 1795; Nachdruck Hildesheim, 1971.

Chapman, Sidney, Julius Bartels: Geomagnetism, S. 923. Oxford, 1940.

Eather, Robert H.: Majestic Lights, S. 233. Washington, 1980.