Cassini, französische Astronomenfamilie, die in vier aufeinanderfolgenden Generationen Direktoren der Pariser Sternwarte stellte. Neben astronomischen Arbeiten erwarben sie sich wesentliche Verdienste um die geodätische Vermessung Frankreichs und die Bestimmung der Erdfigur. Sie werden mit römischen Ziffern (I-IV) bezeichnet. Oft ist es allerdings schwer zu entscheiden, wer was entdeckt hat, da sie miteinander arbeiteten und einer in die Fußstapfen des anderen trat.
Cassini I (Bild), Gian Domenic, * 1625 in Perinaldo, Imperia (Italien), † 1712 in Paris. Schüler von Riccioli und Grimaldi. 1650 Professor der Astronomie in Bologna, beobachtete den Mond und die Planeten mit sehr genauen Instrumenten. 1666 wurde er bekannt durch seine Tafeln der Bewegung der Jupitermonde. Diese waren wichtig für die Bestimmung der geographischen Länge. Auf Picards Empfehlung holte Colbert Cassini 1669 nach Frankreich und machte ihn zum Mitglied der Académie des Sciences sowie zum Direktor der neuerbauten Sternwarte. Fortan stand die französische Astronomie und Erdmessung unter seiner Leitung. Er sandte Richer 1672-73 nach Cayenne, vermaß 1683-84 mit Picard und LaHire zusammen den Meridian von Paris. Er entdeckte aber auch vier neue Monde des Saturn und erkannte, daß das Zodiakallicht eine kosmische und nicht eine meteorologische Erscheinung ist. Seine Stärke lag nicht im theoretischen Verständnis - da war er konservativ und ängstlich -, sondern im genauen Beobachten und in der Organisation von Forschungsprogrammen. Seine Irrtümer sind bekannter geworden als seine Verdienste. Cassini I gab auch zum ersten Mal einen einigermaßen richtigen Wert für die Entfernung der Sonne an.
Cassini II, Jacques, *1677 in Paris, † 1756 in Thury bei Clermont, Oise. Er wurde schon mit 17 Jahren Mitglied der Académie des Sciences. Reisen nach Italien, den Niederlanden und England. Bekanntschaft mit Newton, Halley und Flamsteed. 1700-1701 nahm er an der Vermessung des Pariser Meridians teil. Nach 1700 leitete er praktisch die Sternwarte, nach des Vaters Tod auch offiziell. Nach 1722 bekannte er sich in "De la grandeur et de la figure de la terre" zu der Hypothese des verlängerten Erdellipsoids. Hierzu siehe Celsius (1741). Ab 1740 zog er sich mehr und mehr von den Geschäften zurück.
Cassini III, de Thury, César-François, * 1714 in Thury, bei Clermont, Oise, † 1784 in Paris. 1733-1734 nahm er an der Breitengradmessung Frankreichs teil. Mit 22 Jahren Mitglied der Académie des Sciences und 1756 Nachfolger seines Vaters als Leiter der Sternwarte. Sein Hauptinteresse galt der Geodäsie und der Herausgabe der topographischen Karte von Frankreich in 182 Blättern im Maßstab 1:86 400 (1744-93).
Cassini IV, Jean-Dominique, * 1748 in Paris, † 1845 in Thury, bei Clermont, Oise. Schüler des Physikers Jean Antoine Nollet (1700-1770). 1768 erprobte er auf einer Atlantikfahrt ein Schiffschronometer von Pierre LeRoy. 1779 wurde er Mitglied der Académie des Sciences und 1784 Nachfolger seines Vaters als Direktor der Sternwarte. Er vollendete die topographische Karte von Frankreich. 1787 arbeitete er mit Legendre und Méchain an der trigonometrischen Verbindung von London nach Paris. Während der französischen Revolution mußte er für sieben Monate ins Gefängnis. Napoleon ernannte ihn 1804 zum Ritter der Ehrenlegion. Auch 1816 behielt er seine Stelle bei der Akademie.
Literatur
Taton, René, in: Gillispie, Charles Coulston (Hrsg.), Dictionary of Scientific Biography, 14 Bde. New York, 1970-1980.