Cuvier, Georg Baron v., * 1769 in Montbéliard, † 1832 in Paris. Sein Geburtsort hieß damals Mömpelgard und gehörte zu Württemberg. Schon als Junge las Cuvier die Bücher von Buffon. 1784 wurde er in die Karlsakademie in Stuttgart aufgenommen. 1788 wurde er Hauslehrer in der Normandie und 1895 Professor an der École Centrale in Paris. 1796 wurde er Mitglied des Institut Nationale. Er überstand die Revolution, Napoleon I und die späteren Regierungswechsel in Frankreich. Immer stand er in hohem Ansehen. 1832 sollte er gerade Innenminister werden, als er an der Cholera starb.
Cuvier lebte in einer Zeit, in der man besonders eifrig Versteinerungen sammelte. Er selbst erwarb im Laufe seines Lebens die größte anatomische Sammlung. Mit Hilfe der vergleichenden Anatomie brachte er Ordnung in diese Funde. Vom Studium des Mammuts ausgehend begründete er die Wirbeltier-Paläontologie. Er glaubte nicht an eine Verwandlung der Tierarten, sondern meinte, "ausgestorbene" Arten seien bei Katastrophen, ähnlich der Sintflut, vernichtet worden. Mit Etienne Geoffroy de Saint-Hillaire (1772-1844), einem Schüler von Jean Lamarck (1744-1829) geriet er darüber 1830 in einen heftigen Streit. Goethe hielt diesen Streit in der Akademie für weit wichtiger als die Revolution von 1830 und beschrieb ihn eingehend in seinen Schriften zur Morphologie (Werke 13, 219-250). Goethe stand auf Seiten Saint-Hillaires, aber Cuvier siegte. Cuvier war ein Feind von Theorien und beschränkte sich bewußt auf Beschreibungen.
Literatur
Zittel, Karl Alfred von: Geschichte der Geologie und Paläontologie bis Ende des 19. Jahrhunderts. München-Leipzig, 1899.
Bourdier, in: Gillispie, Charles Coulston (Hrsg.), Dictionary of Scientific Biography, 14 Bde. New York, 1970-1980.