DescartesDescartes, René, (lat. Renatus Cartesius), * 1596 in La Haye, Touraine, +1650 in Stockholm. Er entstammte vermögender, adliger Familie, wurde in der Jesuitenschule La Flèche erzogen. 1618-1624 Reisen durch Europa, anfangs als Offizier bei verschiedenen Armeen. 1625-1628 in Paris. Dann zog er sich in die Niederlande zurück, um dort in Ruhe philosophieren zu können. Die Verbindung zur europäischen Gelehrtenwelt hielt er über den Pater Marin Mersenne (1588-1648). In den Niederlanden schrieb er seine Hauptschriften. Prinzessin Elisabeth von der Pfalz (1618-1680), älteste Tochter des Winterkönigs, wurde seine Schülerin, ihr widmete er die Principia philosophiae. 1649 folgte er einem Ruf der Königin Christine von Schweden (1626-1698) nach Stockholm, um ihr seine Philosophie vorzutragen. Dort starb er nach wenigen Monaten.

Karl Jaspers schrieb über ihn: „Wer von der Lektüre der Philosophen der Renaissance zu Descartes kommt, fühlt sich plötzlich in klarer Luft; der Gedanke ist prägnant, jeder Satz ist unverrückbar an seiner Stelle; Überflüssiges wird nicht berührt; Beiläufigkeiten fehlen; der Fortgang ist entschieden und zielbewußt; der Leser fühlt sich in Zucht genommen" (1937).

Die Verurteilung Gallileis (1633) und Berichte von Verfolgungen anderer Wissenschaftler machten Descartes Angst, seine Schriften zu veröffentlichen. Er vollzog eine Trennung zwischen Glauben und Wissen, zwischen der Lehre der Kirche und den Wissenschaften (A. Koestler: "Die Unheilvolle Entfremdung", 1959).

In den Wissenschaften war Descartes sehr vielseitig. Hier ist nicht der Platz, seine Philosophie darzustellen. Nur zwei Lichter mögen aufleuchten: 1) Die Ablehnung des Aristoteles vollzog er mit dem "totalen Zweifel". Daraus führte ihn die Gewißheit: "Cogito ergo sum. Ich denke, also bin ich". 2) "Eine Sache, die ich klar und deutlich (lat. clare et distincte) begreife, ist wahr". Die beste Einführung sind die Originalschriften!

Nächst der Philosophie verdankt ihm die Mathematik am meisten, vereinigte er doch in der Analytischen Geometrie Algebra und Geometrie. Die ganze Physik reduzierte er auf Mechanik mit Hilfe seines hydrodynamischen Modells. Dijksterhuis hat diese Physik kritisch dargestellt. Außer einigen Sätzen in der Optik ist von dem phantasievollen Bild nicht viel geblieben. Das gleiche gilt für die Physiologie des Descartes. Kaum zu überschätzen ist aber die Wirkung der Denkanstöße, die er gab.

An Beiträgen zur Geophysik sei noch erwähnt: 1630 (oder 1631) machte er in London Deklinationsmessungen. Die Principia handelt unter anderem von den Gezeiten. Die Meteorologie (Anhang zum Discours) bringt unter anderem Luftdruck, Wolken und eine Theorie des Regenbogens, die noch bis ins 19. Jahrhundert hinein gelehrt wurde. Mit Pascal und Mersenne zusammen stellte Descartes auch synoptische Wetterbeobachtungen an.

Schriften zur Naturwissenschaft

Regulae ad directionem ingenii, ca. 1629, posthum veröffentlicht 1701.

Discours de la méthode, 1637.

Abhandlung über die Methode des richtigen Vernunftgebrauchs, Reclam, 1961.

Méditationes de prima philosophia, 1641.

Meditationen über die erste Philosophie, Reclam, 1976.

Principia philosophiae, 1644.

Literatur

Clark, Robert Dean, Robinson, Enders A.: Descartes as Geophysicist, Geophysics, S. 32-35. August, 1985.

Colerus, Egmont: Von Pythagoras bis Hilbert, S. 180-201. Augsburg, 1989.

Dijksterhuis, E. J.: Die Mechanisierung des Weltbildes, S. 451-468. Berlin, 1956.

Durant, Will und Ariel: Kulturgeschichte der Menschheit, Bd. 11, S. 440-452. München 1978. Hutton, Charles: Mathematical and Philosophical Dictionary, Vol. 1, S. 26-248. London, 1796. Jacobi, Carl Gustav: Über Descartes Leben und seine Methode, die Vernunft richtig zu leiten und die Wahrheit in den Wissenschaften zu suchen, Ges. Werke, hrsg. von K. Weierstrass, Bd. 7, S. 309-327. Berlin, 1891. Hall, A. Rupert: Die Geburt der naturwissenschaftlichen Methode, S.132-152. Gütersloh, 1965. Hund, Friedrich: Geschichte der physikalischen Begriffe, S. 98-100. Mannheim, 1972. Weizsäcker, Carl Friedrich von: Die Tragweite der Wissenschaft, S. 201-211. Stuttgart 1966. Koestler, Arthur:: Die Nachtwandler. Wiesbaden, 1959. Röd, Wolfgang: Descartes. Die Genese des Cartesianischen Rationalismus, 3. Aufl. München, 1995. Specht, Rainer:: Descartes. rowohlt monographie. Reinbek, 1966 Teucher, Alfred: Die geophysikalischen Anschauungen Descartes'. Diss., Leipzig (85 S.); Niederlösnitz-Dresden, 1908.