DoveDove, Heinrich Wilhelm, * 1803 in Liegnitz (heute Lebnica, Polen), + 1879 in Berlin. Nach dem Besuch der Ritterakademie in Liegnitz studierte er in Breslau Philosophie, Literatur, Griechisch und Naturwissenschaften. Heinrich Wilhelm Brandes erweckte sein Interesse für die Meteorologie. 1824 ging er nach Berlin und studierte bei Paul Erman Physik. 1826 wurde er promoviert. Zur Habilitation ging er im gleichen Jahr nach Königsberg, kehrte aber 1829 nach Berlin zurück. Er unterrichtete an der Universität und dem Friedrichs-Gymnasium auf dem Werder. 1844 wurde er ordentlicher Professor für Physik und 1845 Mitglied der Preußischen Akademie der Wissenschaften. Über 50 Jahre lang wirkte er in hohem Ansehen in Berlin. Durch seinen allgemein verständlichen, heiter belehrenden Vortrag erwarb er sich viele Freunde. Wissenschaftlichen Gegnern trat er mit Schärfe entgegen. 1830 heiratete er Luise O'Etzel, deren Vater eine Schwägerin von Paul Erman geheiratet hatte.

Luises Vater hieß eigentlich Franz August Oetzel (1783-1850), den Namen O'Etzel hatte er sich eigenmächtig zugelegt. Als ihm 1846 der preußische Adel verliehen wurde, nannte er sich von Etzel. So findet man ihn gewöhnlich in der Literatur. Er hatte in Berlin Pharmazie und Bergwissenschaften studiert, dann ging er nach Paris. 1805 begleitete er Alexander von Humboldt und Gay-Lussac von da nach Neapel. In den Freiheitskriegen wurde er preußischer Offizier und beteiligte sich nach dem Kriege an der geodätischen Vermessung des Rheinlandes. Er war für das Signalwesen in der Armee zuständig und gab den Anstoß für die Einführung des elektromagnetischen Telegraphen in Preußen.

Dove gab die von Alexander von Humboldt veranlaßten magnetischen Simultanbeobachtungen heraus sowie 1833 zusammen mit Carl Ritter den Atlas von Asien. Weitere physikalische Arbeiten bezogen sich auf Akustik, kristallographische Optik, Farbenlehre, Elektrizität und Magnetismus. Er erfand einen Polarisationsapparat, den Differential-Induktor und ein Rotationspolariskop. Praktische Anwendung fand ein von ihm entwickeltes Verfahren zur Entdeckung von Falschgeld mittels eines Stereoskops. 1837-1845 gab er ein achtbändiges Repertorium der Physik heraus.

Doves Hauptverdienste lagen auf dem Gebiet der Meteorologie. In einem 1879 geschriebenen Nachruf in Nature wurde er "The Father of the Meteorology" genannt. Er begann seine meteorologischen Arbeiten als Schüler Alexander von Humboldts mit ausgedehnten und sorgfältigen statistischen Studien. Er führte die Monatsisothermen und thermische Normale ein. Er fand das "Drehungsgesetz der Winde" und das "Gesetz der Stürme", empirische Regeln, in denen er die Grundprinzipien für das Wettergeschehen auf der ganzen Erde sah. Er wurde 1849 Leiter des Preußischen Königlichen Meteorologischen Instituts. Er richtete viele neue Wetterstationen ein und propagierte die Wettertelegraphie.

Literatur

Neumann, Hans: Heinrich Wilhelm Dove. Eine Biographie, 1925.

Erman, Wilhelm: Paul Ermann. Ein Berliner Gelehrtenleben 1764-1851, S. 93-95, 186 und 234. Berlin, 1927.

Schneider-Carius, Karl: Wetterkunde, Wetterforschung. Geschichte ihrer Probleme und Erkenntnisse in Dokumenten aus drei Jahrtausenden, S.162-165, 176-178, 188-190, 204-206, 213-214. Freiburg-München, 1955.