Eötvös, Roland (Loran) Baron von, *1848 in Budapest, †1919 in Budapest. Sohn des Schriftstellers und Staatsmanns József von Eötvös. Nach der Schulzeit studierte er zunächst an der Universität in Budapest, ging dann nach Heidelberg und hörte Vorlesungen bei Kirchhoff, Helmholtz und Bunsen. Zwischendurch war er kurze Zeit in Königsberg, um Franz Neumann zu hören. Anschließend promovierte er in Heidelberg. Dann kehrte er nach Budapest zurück und habilitierte sich an der Universität dort im Fach Physik. 1872 wurde er zum ordentlichen Professor ernannt, zunächst für theoretische Physik, später auch für Experimentalphysik. Eötvös hat sich sehr für das Unterrichtswesen eingesetzt und dadurch wesentlich mit dazu beigetragen, daß Ungarn in Europa anerkannt wurde. 1889 wurde er Präsident der Ungarischen Akademie der Wissenschaften. 1894-1895 war er Kultusminister in Ungarn. In der Zeit rief er kulturelle Institutionen ins Leben, die das Ansehen seines Vaterlandes in Europa weiter förderten. Als ungarischer Delegierter gehörte er zur Internationalen Erdmessungskommission. Berühmt wurde er durch die von ihm konstruierte sehr empfindliche Drehwaage zum Nachweis der Gleichheit von träger und schwerer Masse. Einstein sagte von ihm: „Eötvös ist der letzte Klassiker der klassischen Physik".
Schriften
Bestimmung der Gradienten der Schwerkraft und ihrer Niveauflächen mit Hilfe der Drehwaage, Verhandl. d. 15. Allgemeinen Konferenz d. Internationalen Erdmessung zu Budapest, Teil I, S. 337ff, 1906.
Untersuchungen über Gravitation und Erdmagnetismus, Ann. d. Phys. u. Chem, N.F., 59, 354-400, 1896.
Bericht über geodätische Arbeiten in Ungarn, besonders über Beobachtungen mit der Drehwaage, Verhandl. d. 16. allgem. Konf. d. Intern. Erdmessung in London und Cambridge, Teil I, S. 319ff, 1909.
Pekár, D.: Die geophysikalischen Messungen des Barons R. v. Eötvös, Die Naturwissenschaften, 7, 1919.
Pekár, D.: Die Entwicklung der Eötvösschen Originaldrehwaagen, Die Naturwissenschaften, 16, 1928.