EulerEuler, Leonhard, * 1707 in Basel, +1782 in St.Petersburg. Euler studierte in Basel bei Johann I Bernoulli, mit dessen Söhnen Nikolaus II und Daniel I war er befreundet. Sie zogen Euler 1727 nach Petersburg an die neu gegründete Akademie. Dort traf er mit Joseph Nicolas Delisle (1688-1768), einem Bruder von Guillaume Delisle, zusammen. Euler wurde 1731 Professor für Physik und 1733 für Mathematik. 1741 folgte er einem Ruf Friedrichs II. an die Berliner Akademie. 1746 wurde er dort Direktor der mathematischen Klasse. Nach dem Tode von Maupertuis (1759) leitete er die Akademie kommissarisch. Da er mit Friedrich II. nicht gut harmonierte, siedelte er 1766 wieder nach St. Petersburg über. Dort erblindete er, setzte seine Arbeiten aber unermüdlich fort, indem er fortan seine Werke einem Gehilfen diktierte.

Euler war einer der größten Mathematiker, sicher war er der produktivste, denn er veröffentlichte fast 900 Abhandlungen. Meisterhaft be-herrschte er Algebra, Zahlentheorie, Infinitesimalrechnung einschließlich Differentialgleichungen und Variationsrechnung. In der Physik neigte er eher altmodischen Ideen zu. Doch verdanken wir ihm die Einführung der Analysis in die Mechanik und Hydrodynamik. Auf ihn gehen viele unserer geläufigen Bezeichnungen zurück: sin, cos, f (x), i = -1, e = 2,718..., y, 2y, (für Summe) usw. In der Optik lehnte er die Newtonsche Korpuskulartheorie ab und gab die Konstruktion achromatischer Linsensysteme an. J. Dollond folgte seinen Anweisungen. Auch andere Arbeiten Eulers dienten der Praxis, vor allem in der Schiffsbaukunde.

Die bekannteste Schrift Eulers enthält seine „Briefe an eine deutsche Prinzessin" (die 16jährige Friederike von Brandenburg-Schwedt). Außer physikalischen Themen findet man darin: Theologie, Philosophie, Musiktheorie - das ganze Bildungsgut des 18. Jahrhunderts. Die dort vertretene Ansicht über die Natur der Elektrizität war Prototyp für Faradays und Maxwells Feldtheorie. Eulers philosophische Ansichten werden allgemein als primitiv empfunden und belächelt, A. Speiser dagegen hielt sie für einen der wertvollsten Bestandteile von Eulers Werk. Eulers Weltanschauung war von den beiden herrschenden Ansichten, Descartes-Leibniz und Newton-Voltaire, etwa gleichweit entfernt. Später besaßen Kant und Hegel eine ähnliche Meinung wie Euler.

Schriften

Opera omnia Leonardi Euleri, herausgegeben seit 1911 von der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft in Verbindung mit der Berliner und Petersburger Akademie, Berlin-Göttingen-Leipzig-Heidelberg 1911- ; von den vorgesehenen 72 Bänden fehlten 1981 nur noch drei.

Commercium epistolicum et manuscripta. Briefwechsel, unveröffentlichte Manuskripte, Notizbücher und Handschriften, herausgegeben unter dem Patronat der Akademie der Wissenschaften in Moskau und der Schweizerischen Naturforschenden Gesellschaft im Birkenhäuser Verlag, Basel; voraussichtlich 13 Bände; 1975 erschien der 1. Band, ein Nachschlagewerk über die Euler Korrespondenz. Er enthält eine Beschreibung der Briefe: Datum, Ort der Abfassung, Sprache, Aufbewahrungsort, knappe Inhaltsangabe. Acht Verzeichnisse nach verschiedenen Gesichtspunkten.

Lettres à une princesse d'Allemagne sur quelque sujets de physique et de philosophie, drei Bände, St.Petersburg, 1768-1772; Deutsch von Kries, Leipzig, 1792-1794.

Drei Abhandlungen über Kartenprojektion, 1777.

Literatur

Speiser, Andreas: Die Baseler Mathematiker, 117. Neujahrsblatt, hrsg. von der Ges. zur Beförderung des Guten und Gemeinnützigen, S. 39-51. Basel, 1939.

Spiess, Otto: Leonhard Euler. Ein Beitrag zur Geistesgeschichte des 18. Jahrhunderts. Leipzig, 1929.

Schulz, Werner: Leonhard Eulers Bedeutung für die Luft- und Raumfahrtwissenschaften. Vortrag bei der Jahrestagung der Dtsch. Gesell. f. Luft- und Raumfahrt. München, 1983.