Faraday, Michael, *1791 in Newington Butts, Surrey, bei London, †1867 Hampton Court Green, bei London. Der Physiker und Chemiker Michael Faraday ist weithin bekannt, weil er viele wichtige Entdeckungen und Erfindungen gemacht hat, auch vieles vorbereitet für eine Weiterentwicklung. Um nur einiges zu nennen: Die Gesetze der Induktion, der Elektrolyse, Drehung der Polarisationsebene des Lichtes im Magnetfeld. 1825 entdeckte er das Benzol, einige Chlor-Kohlenwasserstoffe, die Verflüssigung mehrerer Gase wie Chlor, Kohlendioxyd, Ammoniak u.a.
Sein Lebenslauf ist gut bekannt, weil Faraday ein Tagebuch führte. Sein Vater war Hufschmied, der eine Farmerstochter geheiratet hatte und mit ihr nach London zog. Über seine Erziehung sagt Michael Faraday selbst: "sie war von der gewöhnlichsten Art". Er besuchte eine Volksschule, lernte lesen, schreiben, rechnen, aber keinem Lehrer fiel eine besondere Begabung bei ihm auf.
Mit 13 Jahren verließ er die Schule und begann eine Lehre bei dem Buchbinder Riebau. Faraday lernte sein Handwerk gut und hat später auch seine eigenen Bücher selbst gebunden. Sein besonderes Vergnügen war, nach der Arbeitszeit in den Büchern, die er gebunden hatte, zu lesen. Er hatte einen verständnisvollen Lehrmeister, der Freude an seinem Interesse hatte, und ihm ausdrücklich erlaubte, die gebundenen Bücher zu lesen. Als er die Encyclopädia Britannica zu binden hatte, fand er darin den Artikel über die Elektrizität, den er gründlich durcharbeitete. Um seinen Lerneifer zu unterstützen, machte ihn Riebau auf öffentliche populäre Vorträge aufmerksam, die in London von Wissenschaftlern regelmäßig gehalten wurden. Sein älterer Bruder schenkte ihm das Eintrittsgeld dazu. Faraday schrieb die Vorträge mit, arbeitete sie aus und baute auch Versuche nach. 1812 konnte er an einer Vorlesungsreihe des Chemikers Sir Humphry Davy (1778-1829) teilnehmen, die ihn sehr beschäftigt hatte und die er gründlich ausarbeitete.
Als seine Lehrzeit zu Ende ging, schickte er diese Ausarbeitung mit einer Bitte um eine Anstellung als Gehilfe an Davy. Dieser erkannte Faradays Begabung und als bei ihm eine Stelle frei wurde, stellte er ihn als Assistenten der Royal Institution ein. Davy nahm ihn auch auf seiner Reise (1813-1815) durch Europa als Sekretär mit. Dabei lernte Faraday nicht nur Land und Leute kennen, sondern vor allem auch bedeutende Wissenschaftler. Davy soll später gesagt haben: "Meine schönste Entdeckung, die ich je gemacht habe, ist Faraday". Da er ein guter Redner war, beteiligte er sich er auch an den in London üblichen Freitagabend Vorträgen. In den Weihnachtstagen hielt er Seminare für Jugendliche ab. Bekannt geworden bis heute ist das Seminar: Naturgeschichte einer Kerze.
1824 wurde Faraday zum Mitglied der Royal Society gewählt. Dann folgte 1825 die Ernennung zum Direktor des Laboratoriums der Royal Institution und 1833 wurde er Professor. Faraday bekam zahllose Ehrungen aus vielen Ländern. Als die Royal Society ihm die höchste Auszeichnung Englands antrug, ihr Präsident zu werden, lehnte er ab. Seinem Freund Tyndall (1820-1893) gegenüber erklärte er seine Ablehnung damit: "Ich muß einfach Michael Faraday bleiben".
Experimental-Untersuchungen über Elektrizität. Ostwald's Klassiker Nr. 136. Leipzig, 1921
Untersuchungen über das Verhalten von Gold zum Licht. Ostwald's Klassiker Nr. 214, Leipzig 1925
Naturgeschichte einer Kerze; mit e. Einleitung und Biographie von Peter Buck, Bad Salzdetfurth, 1979.
Schürz, Wilhelm: Michael Faraday, Biogaphien hervorragender Naturwissenschaftler, Techniker und Mediziner, Bd. 5. Leipzig, 1985.
Lemmerich, Jost: Michael Faraday 1791-1867. Erforscher der Elektrizität. München, 1991.
Kraft, Fritz und Adolf Meyer-Abich, Große Naturwissenschaftler, Biographisches Lexikon, S. 114-118, Frankfurt, 1970.