Galilei
Galilei, Galileo, * 1564 in Pisa, † 1642 in Arcreti bei Florenz.Seines Vaters Wunsch folgend studierte er zunächst Medizin in Pisa. 1585 gab er dies aber auf und widmete sich in Florenz der Mathematik und Mechanik. 1589 wurde er Professor der Mathematik in Pisa und 1592 in Padua. Ab 1599 Verhältnis mit Maria Gamba, aus dem zwei Töchter und ein Sohn hervorgingen. Durch seine Fernrohrbeobachtungen und den 1610 veröffentlichten Sidereus Nuncius wurde er berühmt. Im gleichen Jahr kehrte er als erster Mathematiker und Philosoph des Großherzogs von Toskana nach Florenz zurück. 1611 wurde er Mitglied der Academia Lincei. Der Umzug nach Florenz brachte ihn in den Einflußbereich Roms. Sein Eintreten für Kopernikus veranlaßte die Index-Kongregation 1616 ein Dekret zu erlassen, welches verbot, das kopernikanische System als Wahrheit - nicht als bloße Hypothese - zu verbreiten. 1624-1629 schrieb Galilei den Dialog. Darüber kam es zum Konflikt mit der Inquisition. 1633 wurde Galilei der Prozeß gemacht und er zu lebenslanger Kerkerhaft verurteilt, die später in Hausarrest umgewandelt wurde. 1634 starb seine Tochter Virginia, 1638 erblindete er. In diesem Jahr erschienen die Discorsi, sein bedeutendstes physikalisches Werk. „Mit dem Übergang von den Gedankengängen des Aristoteles zu denen Galileis wurde der Naturwissenschaft einer ihrer bedeutendsten Grundpfeiler gesetzt" (Einstein/Infeld, 1956). Galilei fragte nicht mehr nach der Ursache der Erscheinungen, sondern suchte die Vorgänge selbst so exakt wie möglich zu beschreiben. Dazu bot sich die Mathematik an und er entdeckte dabei die Relativität der Bewegung.

In der Geophysik hat man ihm mit der Einheit Gal (und mgal) ein Denkmal gesetzt. Seine Untersuchungen des freien Falles und der Pendelschwingungen rechtfertigen das mehr als genug. Bezüglich des Aufbaus des Erdkörpers übernahm er die Ansichten Gilberts (Dialog: Schluß des 3. Tages). Seine Gezeitentheorie (Dialog: 4.Tag) ist falsch, obwohl er ihr so große Bedeutung als Beweis für das kopernikanische System zuweist (Aiton, 1954). Seine Fernrohrbeobachtungen des Mondes und seiner Gebirge trugen dazu bei, die Verwandtschaft und Ähnlichkeit zwischen Mond und Erde bekannt zu machen (Sidereus Nuncius). Er machte auf die Sonnenflecken aufmerksam, wenn er sie auch nicht selbst entdeckt hat. Im Il Saggiatore benutzte er erstmals den Namen aurora borealis für das Nordlicht.

Dialogo und Discorsi sind wie Schauspiele aufgebaut: Drei Männer, Salvati, Sagredo und Simplicio unterhalten sich über die vorzutragenden Gegenstände. Salvati vertritt gewöhnlich die Meinung des Galilei, Sagredo macht die klugen, Simplicio die einfältigen Einwände. Die Bücher sind in der Landessprache geschrieben, sie sollten nicht nur die Gelehrten, sondern auch die gebildeten Laien ansprechen. Es ging darin auch nicht nur um Physik und Astronomie, sondern um Wahrheit und die Möglichkeit sie zu erkennen. Galilei ist eine der interessantesten Gestalten in der Geschichte der Physik. Auf Grund seines Prozesses wurde er zur Symbolfigur des modernen Physikers verklärt. So stellte ihn auch Brecht (1975) dar - ohne allzu viel Rücksicht auf historische Treue zu nehmen. Der Papst verlangte 1979 die volle Rehabilitierung Galileis durch eine Wiederaufnahme des Inquisitionsprozesses, die dann auch geschah, wenn auch Jahrhunderte zu spät.




Schriften

Il Sidereus Nuncius e le scritture ad esso attinenti, Venedig, 1610.

Nachricht von neuen Sternen, Frankfurt/M., 1965.

Il Saggiatore, Rom, 1623.

Dialogo sopra i due massimi sistermi del mondo tolemaico e copernicano, Florenz, 1632.

Dialog über die beiden hauptsächlichsten Weltsysteme, das ptolemäische und das kopernikanische, Stuttgart, 1982.

Discorsi e demostrazioni matematiche intorno à due nuove szienze attinenti alla mecanica et imovimenti locali, Leiden, 1638.

Unterredungen und mathematische Demonstrationen über zwei neue Wissenszweige, die Mechanik und die Fallgesetze betreffend, Darmstadt, 1973.




Literatur

Blumenberg, Hans: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt, 1975.

Brecht, Bert: Leben des Galilei, Gesammelte Werke Bd. 3, S. 1229. Frankfurt, 1968.

Brod, Max: Galilei in Gefangenschaft. Winterthur, 1948.

Einstein, Albert und Leopold Infeld: Die Evolution der Physik. Hamburg, 1956.

Hemleben, Johannes: Galileo Galilei in Selbstzeugnissen und Bilddokumenten. Hamburg, 1969.

Koestler, Arthur:: Die Nachtwandler. Wiesbaden, 1959.

Reston, James: Galileo Galilei. Eine Biographie, München, 1999.