Uns interessiert seine Arbeit zur erdmagnetischen Säkularvariation. Gellibrand hatte herausgefunden, daß sich die Deklination in London im Laufe der Zeit - entgegen Gilberts Überzeugung - änderte. Er machte 1634 sorgfältige Messungen. Dazu befestigte er auf dem Hütchen eines Kompasses mit mitbeweglicher Windrose einen schattenwerfenden Stift. Bei kürzestem Schatten - um die Mittagszeit - konnte man dann die Deklination direkt ablesen. Sein Meßergebnis verglich er mit dem von W. Borough aus dem Jahre 1580 und dem seines Vorgängers E. Gunter aus dem Jahre 1622 und stellte fest, daß in London die Deklination während der letzten Jahrzehnte dauernd abgenommen hatte. Daraus schloß er auf eine zeitliche Variabilität der Deklination auf der ganzen Erde.
Er berichtete darüber 1635 in: "A discourse mathematical on the variation of the magnetical needle, together with its admirable diminution lately discovered". Zwei Bemerkungen darin sind aufschlußreich: 1. Gellibrand war kein "Kopernikaner", dessen Lehre erschien ihm als "widersinnig". 2. Er kannte Galileis 1632 erschienenen Dialog; denn er zitierte daraus (italienisch mit englischer Übersetzung) einen Abschnitt vom 4. Tag, den Galilei noch während des Druckes eingefügt hatte.
Literatur
Balmer, Heinz: Beiträge zur Geschichte der Erkenntnis des Erdmagnetismus. Aarau, 1956.
Hutton, Charles: A Mathematical and Philosophical Dictionary, Vol. 1, S. 528-529. London, 1795.