Gerland
Gerland, Georg, * 1833 in Kassel, † 1919 in Straßburg. Er studierte in Berlin und Marburg Altphilologie, Germanistik und Anthropologie. Promotion in Marburg 1859 über "Der altgriechische Dativ". Gymnasiallehrer in Kassel, Hanau, Magdeburg und Halle. 1875 beschloß das Preußische Kultusministerium, an allen preußischen Universitäten geographische Lehrstühle zu errichten. Zur Besetzung mußte man zunächst zu geographischen Autodidakten greifen. Gerland erhielt den neugeschaffenen Lehrstuhl in Straßburg. Bei seinen Überlegungen zum Inhalt der wissenschaftlichen Geographie kam er dazu, den Menschen völlig herauszulassen. So wurde aus der Geographie eine "Geophysik". Darüber kam es zu heftigen Auseinandersetzungen mit den anderen Professoren der Geographie.

Von den geophysikalischen Disziplinen wandte Gerland sich besonders der Seismologie zu. 1899 vertrat er auf dem internationalen Geographentag in Berlin mit großem Nachdruck die schon 1895 auf dem Geographentag in London von E. von Rebeur-Paschwitz aufgestellte Forderung des Zusammenschlusses aller Länder zur Förderung der seismischen Wissenschaft (analog zur internationalen Erdmessung). 1900 wurde in Straßburg die kaiserliche Hauptstation für Erdbebenforschung eingerichtet. 1903 wurde die Internationale Seismologische Assoziation gegründet mit einem Zentralbüro in Straßburg, zu dessen Leiter Gerland bestimmt wurde.

Gerlands Verdienst um die Geophysik lag vorwiegend auf organisatorischem Gebiet. Seit 1887 gab er die Beiträge der Geophysik heraus, die später in "Gerlands Beiträge zur Geophysik" umbenannt wurden. Gerland war ungemein vielseitig. Er wirkte als Sprachforscher, Ethnologe, Anthropologe und vor allem als Komponist.




Schriften

Vorwort des Herausgebers, Beiträge der Geophysik, 1, S. I-LIV, 1887.

Die erste internationale Erdbebenkonferenz zu Straßburg, Petermanns Geographische Mitteilungen, 47, 115 - 119, 1901.




Literatur

Wagner, Hermann: Göttinger Professoren, Lebensbilder von eigener Hand. Universitätsbund Göttingen, Mitteilungen, 5, Heft 2, 1923.