Humboldt
Humboldt, Alexander von, * 1769 in Berlin, † 1859 in Berlin. Studium in Frankfurt/Oder, Göttingen, Hamburg (Handelshochschule) und Freiberg (bei G.A.Werner), 1790 unterbrochen von Reisen an den Niederrhein, nach England und Frankreich mit Georg Forster. 1792-1796 im preußischen Staatsdienst, zuletzt als Oberbergrat in Ansbach-Bayreuth. Frühjahr 1797 mit seinem Bruder Wilhelm bei Goethe und Schiller in Weimar.

Humboldts Lebensziel war es, Forschungsreisen zu machen. Darum verließ er gleich nach dem Tode seiner Mutter, als er über sein Vermögen verfügen konnte, den Staatsdienst. 1799-1804 Reise nach Süd- und Nordamerika zusammen mit dem Arzt und Botaniker Aimé Bonpland (1773-1858). Dabei Besteigung des Chimborazo, den man damals für den höchsten Berg der Erde hielt. Neben der Beobachtung der Landschaft, Pflanzen, Tiere und Menschen machten beide geophysikalische Messungen mit exakten Instrumenten. Nach der Rückkehr Auswertung der Reise in Paris. Das Reisewerk umfaßt 36 Bände. Gleichzeitig wissenschaftliche Arbeiten mit Arago, Biot, Gay-Lussac u.a. sowie diplomatische Missionen für den König von Preußen.

1827 Übersiedlung nach Berlin. 1827-1828 Kosmos-Vorlesungen in der Universität und in der Singakademie. 1828 Zusammentreffen mit Gauß bei der 8. Versammlung der Gesellschaft Deutscher Naturforscher und Ärzte in Berlin. 1829 russische und sibirische Reise bis zur chinesischen Grenze. 1836 Brief an den Herzog von Sussex mit dem Vorschlag der Beteiligung an erdmagnetischen Messungen. Während der Berliner Jahre acht diplomatische Missionen in Paris und Arbeit am "Kosmos". Dieser erschien 1845-1862 bei Cotta in Stuttgart.

Nach seiner Rückkehr aus Amerika war Alexander von Humboldt der international bekannteste Deutsche - in Südamerika gilt das noch heute. Über 1000 Pflanzen, Tiere, Berge, Flüsse und Erzeugnisse tragen seinen Namen. Er organisierte internationale Kooperation im Erdmagnetismus, war Urheber der "Physikalischen Geographie" und Bahnbrecher für Ozeanographie und Meteorologie. Damit ist aber der Umfang seines Wissens und seiner Aktivität nicht entfernt umrissen. Er begründete die Pflanzengeographie, die moderne Landeskunde (am Beispiel Mexikos) und betrieb völkerkundliche, philologische und historische Studien. Man hält ihn für das letzte Universalgenie. Felix Klein schrieb (1926/27) über ihn:

„Humboldt selbst war Geograph und Biologe, wie wir heute sagen würden, also durchaus der beschreibenden, nicht der exakten Naturwissenschaft zugewandt. Er besaß aber die seltene Gabe, auch ohne genaues Verständnis die Bedeutung ihm ferner liegender Gebiete zu erkennen, ja er hat nicht selten, durch seine allgemeinen Auffassungen und ein sicheres Gefühl für die Forderungen der Zeit geleitet, fruchtbare Anregungen für ihm fremde Wissenschaften gegeben... Er ist denn auch der eigentliche Urheber einer Erscheinung auf dem Gebiete der Mathematik und Naturwissenschaften, die für die philologischen Fächer schon etwa zehn Jahre früher, nämlich 1810 mit der Gründung der Berliner Universität beginnt, und die ich als 'deutsche wissenschaftliche Renaissance' bezeichnen möchte."




Schriften

Gesammelte Werke, 12 Bde., Stuttgart (ohne Jahreszahl, vermutlich 1889), darin: 1-4 Kosmos, 5-8 Reise in die Äquinoktial-Gegenden des neuen Kontinents, 9-10 Versuch über den politischen Zustand des Königreichs Neu-Spanien, dort angefügt die Pittoreske(n) Ansichten der Kordilleren und Monumente amerikanischer Völker, 11-12 Ansichten der Natur.

Ansichten der Natur, Mit einem (22 Seiten langen) Nachwort von A. Meyer-Abich, Reclam Universalbibliothek, 2948/49, Stuttgart, 1969.




Literatur

Beck, Hanno: Alexander von Humboldt. Biographie mit chronologischer Tafel, Werk- und Literatur-Verzeichnis, 2 Bde., 1959/61.

Biermann, Kurt-R.: Alexander von Humboldt als Initiator und Organisator internationaler Zusammenarbeit auf geophysikalischem Gebiet. Proc. 15th Int. Congr. Hist. Sci., S. 126-138. Edinburgh, 1978.

Borch, Rudolf: Alexander von Humboldt. Leben in Selbstzeugnissen, Briefen und Berichten, 1948.

Bruhns, Karl (Hrsg.): Alexander von Humboldt - Eine wissenschaftliche Biographie, 3 Bde, 1872.

Klein, Felix Vorlesungen über die Entwicklung der Mechanik im 19. Jahrhundert. Berlin, 1926.

Scurla, Herbert: Alexander von Humboldt - eine Biographie, 1955.