Kopernikus
Kopernikus, Nikolaus, * 1473 in Thorn (Toru), 1543 in Frauenburg (Frombork). Er stammte aus einer Kaufmannsfamilie. Da sein Vater früh starb, sorgte sein Onkel Lucas Watzelrode, Bischof von Ermland, für ihn. Langes Studium der Astronomie, des kanonischen Rechts und der Medizin in Krakau, Bologna, Padua, Ferrara und Rom, wahrscheinlich bis 1505. Seit 1497 war er Domherr in Frauenburg, mußte aber erst nach dem Tode seines Onkels 1512 Amtspflichten in Ökonomie und Verwaltung wahrnehmen. 1523 wurde er zum Administrator des Domstifts ernannt.

Sein Hauptinteresse galt der Astro-nomie. Ihn störte es, daß Ptolemaios (ca.100-160 n.Chr.) zur Erklärung des Laufes der Planeten auch ungleichförmige Kreisbewegungen zugelassen hatte. Kopernikus vermied solche, indem er das geozentrische System der Alten durch ein heliozentrisches ersetzte. Bereits um 1510 beschrieb er im Commentariolus, von dem einige Abschriften gemacht wurden (3 Exemplare existieren noch), die Grundzüge seines Systems. Richtig bekannt wurde seine Lehre aber erst durch die Narratio prima, den ersten Bericht seines begeisterten Schülers, des Wittenberger Professors Georg Joachim Rheticus (1514-1576). Damals bestand an astronomischer Forschung großes Interesse, weil eine Kalenderreform immer notwendiger wurde - das Frühjahrsäquinoktium war inzwischen bis zum 11. März vorgerückt. Kopernikus beschäftigte sich deshalb in seinem Werk intensiv mit der genauen Bestimmung der Jahreslänge. Er sträubte sich jedoch lange gegen die Veröffentlichung seines Hauptwerks De revolutionibus. Es erschien erst in seinem Todesjahr 1543, aber mit einem unautorisierten Vorwort des lutherischen Theologen Osiander (1498-1552), welcher das Ganze als eine bloße Hypothese und Rechenvorschrift darstellte.

Die neue Lehre des Kopernikus beeinflußte außer Astronomie und Naturwissenschaften weite Bereiche menschlichen Lebens und Denkens. Für die Gelehrten war es wichtig, daß Kopernikus seine Entdeckung durch ausführliche Rechnungen und in der Darstellungsweise des Ptolemaios begründete und nicht nur als einen geistreichen Einfall darstellte, wie er es im Commentariolus und im 1. Buch von De revolutionibus getan hatte. Die Bücher 2 bis 6 von De revolutionibus sind vergleichsweise schwer zu lesen. Ohne den mathematischen Aufwand wäre man wohl über Kopernikus hinweggegangen, wie über manche Vorläufer. Der Streit in der Literatur darüber, ob Kopernikus ein Deutscher oder ein Pole sei, war überflüssig und beschämend. Leider ist die ältere Literatur davon durchsetzt.

Die Geophysik verdankt Kopernikus die Kenntnis der täglichen Erdrotation (De revolutionibus I, 5 und 8) und des jährlichen Umlaufs der Erde um die Sonne (I, 9 und 10). Am Anfang des Werkes (I, 2 und 3) bespricht Kopernikus die Kugelgestalt der aus Land- und Wassermassen zusammengesetzten Erde. Dabei erwähnt er China und Amerika als Entdeckungen der Neueren.




Schriften

De hypothesibus motum coelestium a se constitutis commentariolus, zwischen 1506 und 1514.

Narratio prima de libris revolutionum eruditissimi viri et mathematici excellentissimi, reverendi Domini Doctoris Nicolai Copernici Torunnaei Canonici Varmiensis. Danzig 1541, dtsch.: Erster Bericht über die Bücher von den Umdrehungen des höchst gelehrten Mannes und hervorragendsten Mathematikers, des hochzuverehrenden Doktors Nikolaus Kopernikus aus Toru, Domherrn aus Varmia. Zweisprachig (lat./dtsch) von Karl Zeller, München - Berlin, 1943.

De reovolutionibus orbium libri VI. Nürnberg 1543. Weitere Auflagen: Basel, 1566, Amsterdam, 1617. dtsch.: Über die Kreisbewegungen der Himmelskörper in sechs Büchern. Zweisprachig (lat./dtsch.), Buch 1 (nur) revidiert und hrsg. von Georg Klaus, Berlin, 1959.




Literatur

Blumenberg, H.: Die Genesis der kopernikanischen Welt. Frankfurt, 1981.

Boas, Marie: Die Renaissance der Naturwissenschaften 1450-1630. Das Zeitalter des Kopernikus. Gütersloh, 1965.

Koestler, Arthur: Die Nachtwandler. Wiesbaden, 1959.

Kuhn, Thomas: Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen. Frankfurt, 1967.

Lichtenberg, Georg Christoph: Nicolaus Copernicus, in: Werde, 2, 445-513, 1795.

Piechowski, Jerzy: Die Anfechtungen des Domherrn Nicolaus. Ein Roman. Berlin, 1974.

Schmeidler, Felix: Nikolaus Kopernikus, Große Naturforscher, 34. Stuttgart, 1970.