Norman
Norman, Robert, 2. Hälfte 16. Jahrhunderts. Über seine Biographie ist wenig bekannt. Er war 20 Jahre lang Seemann und wurde dann Instrumentenbauer mit einem Wohnhaus in Ratclif. Man kennt seine Schrift „The Newe Attractive" von 1581. Er fand die Inklination, allerdings nach Georg Hartmann, dessen Entdeckung aber nicht öffentlich bekannt wurde. Er baute auch das erste Inklinatorium. Auf Normans Abhandlung stützte sich William Gilbert stark beim Schreiben von De Magnete, ohne das genügend hervorzuheben. Norman war befreundet mit dem Rußland-forscher William Borough (1513-1599). Ihm widmete er seine Schrift: „To the Right Worshipfull M. William Borough, Esquire, Comptroller of her Majesties Navie". Einer Arbeit von William Borough: „A discours of the variation of the compasse, or magneticall Needle" war Normans Schrift beigebunden. Beide zusammen erschienen in vier Auflagen 1581, 1585, 1596 und 1614.

An Norman wird deutlich, daß sich der Beruf des Wissenschaftlers in der Renaissance ändert. Mit Norman kam ein Handwerker in ein Arbeitsgebiet, das vorher den „Gelehrten" vorbehalten war. Das führte zu Spannungen, denen Norman im Vorwort seiner Newe Attractive Ausdruck verlieh:

„... doch ich beabsichtige, so Gott will, ohne ihnen Abbruch zu tun oder mich selbst zu erhöhen, eine später experimentell bestätigte Wahrheit niederzulegen, die ich in diesem Stein gefunden habe, obgleich sie der Auffassung all derer widerspricht, die bisher darüber geschrieben haben. Worin ich keineswegs beabsichtige, weitschweifige Schlüsse oder Phantastereien zu verwenden, sondern so kurz, wie ich kann, darüber hinwegzugehen, meine Argumente nur auf Erfahrung, Verstand und auf solche Beweise gründend, die die Grundlagen der Künste bilden. Zwar werden die in der Mathematik Bewanderten sagen, wie es auch schon von einigen geschrieben wurde, daß das kein Problem oder keine Angelegenheit sei, in die sich ein Mechaniker oder Seefahrer einzumischen habe, genausowenig wie in das Problem der Längenbestimmung, da diese vorzüglich durch geometrische Beweise und arithmetische Berechnung behandelt werden müßten - in diesen Künsten möchten sie ja alle Mechaniker und Seefahrer unwissend sehen oder zumindest zu ungenügend ausgebildet, um solche Dinge auszuführen, wobei sie als Begründung das lateinische Sprichwort von Apelles anführen: Ne sutor ultra crepidam (Schuster, bleib bei deinem Leisten). Ich bin jedoch fest davon überzeugt, daß es - obwohl die gelehrten Herren dieser Wissenschaften, in ihrer Studierstube und ihren Büchern vergraben, sich große Sachen ausdenken, sie in weitgespannte Begriffe fassen, blendend formulieren und in einleuchtenden Worten niederschreiben können, wobei sie möchten, daß alle Mechaniker, weil sie sich doch nicht auszudrücken vermögen, gezwungen sein sollten, ihnen ihr Wissen und ihre Gedanken auszuliefern, damit sie damit glänzen und sie nach eigenem Gutdünken verwenden können - in unserem Lande zahlreiche Mechaniker gibt, die auf Grund ihrer verschiedenen Fähigkeiten und Berufe diese Künste in den Fingerspitzen haben und sie leichter und wirksamer zu manigfachen Zwecken verwenden können als diejenigen, die am meisten auf sie herabsehen" (zitiert nach Bernal, 1970).




Schriften

The New Attractive. in: Hellmann, Neudrucke von Schriften und Karten über Meteorologie und Erdmagnetismus, Nr.10, Rara Magnetica, S. 83 -105, Berlin, 1898.

Das neue Anziehende, in: Balmer, Heinz, Beiträge zur Geschichte der Erkenntnis des Erdmagnetismus, S. 316-340, Aarau, 1956.




Literatur

Balmer, Heinz: Beiträge zur Geschichte der Erkenntnis des Erdmagnetismus, S. 316-340, 629, 791. Aarau, 1956.

Kelly, Suzanne, in: Gillispie, Charles Coulston (Hrsg.), Dictionary of Scientific Biography, 14 Bde. New York, 1970-1980.

Zilsel, Edgar: Die sozialen Ursprünge der neuzeitlichen Wissenschaft, S. 113-118, 230-231. Suhrkamp, 1976.