Picard
Picard, Jean, * 1620 in La Flèche, † 1682 in Paris. Über seine Jugend ist wenig bekannt, sicher weiß man, daß er 1645 Gassendi bei der Beobachtung einer Sonnenfinsternis assistierte. 1666 war er eines der Gründungsmitglieder der Académie Royale des Sciences. In seinen Quadranten verwandte er erstmalig Fernrohre mit Fadenkreuz, maß die Schallgeschwindigkeit der Luft, beobachtete die Phosphoreszens des Quecksilbers (an einem Barometer) und gab das erste astronomische Jahrbuch heraus (1678). 1671-1672 reiste er nach Dänemark und bestimmte die Koordinaten der Uranienborg, der einstigen Sternwarte Tycho Brahes, um dessen Beobachtungen mit den neuen Pariser Beobachtungen vergleichen zu können. Außer einer Kopie der Tychonischen Beobachtungen brachte er den jungen Ole Römer mit nach Paris.

Für die Geophysik wichtig ist Picards Meridianmessung von 1668-1670. Sie übertraf alle vorangegangenen um das 30- bis 40fache an Genauigkeit. Er maß den Meridian von Paris in einem Abschnitt von Sourdon (bei Amiens) im Norden bis Malvoisine (bei Corbeil-Esonnes) im Süden. Von Snellius übernahm er die Methode der Triangulation. Seine Basis war aber erheblich länger, vor allem waren seine Instrumente viel genauer. In der Folgezeit arbeitete Picard mit G. D. Cassini und de la Hire zusammen an einem Grundnetz für die Vermessung Frankreichs.Dadurch änderten sich die Koordinaten zahlreicher französischer Städte, insbesondere war die Ost-West-Erstreckung Frankreichs kürzer als zuvor angenommen. Ludwig XIV. soll dazu humorvoll bemerkt haben: „Messieurs, ich sehe mit Bedauern, daß Ihre genaue und kostspielige Vermessung mich ein gutes Stück des Reiches gekostet haben".


Schriften

La mesure de la terre, Paris, 1671.




Literatur

Taton , Juliette und René, in: Gillispie, Charles Coulston (Hrsg.), Dictionary of Scientific Biography, 14 Bde. New York, 1970-1980.